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NBRL2004 34Als "Mann mit der Mütze" war Gustav Schröder, Jahrgang 1929, den Leichtathletikfreunden in ganz Deutschland bestens bekannt. „Über mich können Sie ein ganzes Buch schreiben", sagt er als knapp 80jähriger, und man erkannte schnell, was er damit meint. In seiner Funktion als Pressewart des Landesverbands Niederrhein verfasste der studierte Germanist und Philosoph einst seine ersten Berichte über Sportveranstaltungen. „Wenn Sie sowieso dahin gehen, dann nehmen Sie doch gleich die Kamera mit", schlug ihm schließlich einst ein Chefreakteuer vor.

Es war jedoch ein Bild von ihm selbst, welches den ehemaligen Langstreckenläufer dazu veranlasste, sich intensiver der Fotografie zu widmen. Bei einem Einladungs-Sportfest 1957 in Solingen wurde er auf dem Treppchen neben Lauflegende, Olympiasieger und Vielfach-Weltrekordler Emil Zátopek und dem Olympia-Dritten über 5000 m von Helsinki, Herbert Schade, abgelichtet. „Da habe ich festgestellt, was für eine Wirkung so ein Foto auf den Athleten haben kann. Diese Aufnahme hat mich schlagartig bekannt gemacht."

Als Hauptziel seiner Arbeit sah er es künftig an, die Athleten zu motivieren: „Wenn Sportler sich mit Bild in der Zeitung sehen, denken sie schon, sie sind „Weltmeister" – und müssen oder wollen das dann auch bestätigen", erklärt der Gründer der Agentur Rhein-Ruhr-Foto. Er lebte seit 1995 als „Unruheständler" im 100-Seelen-Dorf Sassen in der Vulkaneifel, bezeichnet sich aber als typischen Rheinländer. „Deswegen finde ich es immer gut, wenn ich ein wenig Humor mit in die Bilder bringen kann."

In Gustav Schröders schier unerschöpflichem Archiv an Sportfotografien sind unter anderem die ersten Bilder von Willi Wülbeck, Jürgen Hingsen oder Sabine Braun zu finden, aber auch von vielen früheren internationalen Stars. Immer wieder fragten ihn ehemalige Athleten nach alten Aufnahmen. Aber vieles gab es nur auf der Filmrolle und in schwarz-weiß, und daran nagte der Zahn der Zeit. So war er nach seiner Verrentung als „Unruheständler" bis etwa ein Jahr vor seinem Tod im Frühjahr 2013 mit der Digitalisierung seines Archivs beschäftigt. „Ich müsste noch 100 oder besser 200 Jahre leben, um damit endlich fertig zu werden, sagte der für sein Lebenswerk mit vielen Ehrungen ausgezeichnete Sportjournalist einst scherzhaft.

Mit der Leichtathletikszene seiner Wahlheimat Eifel war Gustav Schröder rasch eng verbunden. Kein Wunder, denn Mitte der Neunziger Jahre begann die wohl größte Zeit der LG Vulkaneifel (damals unterstützt von ihrem Namenssponsor „Gerolsteiner), die im November letzten Jahres ihr 40jähriges Bestehen feierte. Fast schon natürlich, dass Gustav Schröder auch zum ständigen fotografischen Begleiter des Nürburgringlaufes wurde, schließlich fand der fast vor der Haustür statt. Fast alle Höhen und Tiefen des Laufspektakels in der „Grünen Hölle" hat er miterlebt. So sollte der Nürburgring 2011 auch das letzte Leichtathletik-Event sein, das Gustav Schröder noch persönlich aufsuchen konnte.

 Beitrag von Silke Bernhart

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